Da ist er endlich. Der erste Sieg. Die ersten beiden Punkte. Und vor allem dieses Gefühl, auf das wir in den vergangenen Wochen so lange gewartet haben. Es waren keine einfachen Wochen für uns. Niederlagen, Enttäuschungen und immer wieder die Erkenntnis, dass wir noch nicht dort stehen, wo wir eigentlich stehen wollen. Doch wer geglaubt hatte, dass wir uns davon unterkriegen lassen würden, kennt diese Mannschaft schlecht. Am vergangenen Samstag war es endlich so weit: Vor knapp 200 Zuschauern konnten wir den TSV Betzingen nach einem nervenaufreibenden Kampf in unserer Unterseehalle mit 29:27 bezwingen. Spielerisch sicherlich kein Glanzstück, dafür aber ein Sieg, der sich nach all den Rückschlägen umso besser anfühlte.
Dabei war von Beginn an zu spüren, wie viel für beide Mannschaften an diesem Abend auf dem Spiel stand. Die Nervosität war beinahe greifbar. Fehlpässe, technische Fehler und zahlreiche ungenutzte Torchancen prägten die Anfangsphase. So richtig wollte keine Mannschaft die Kontrolle übernehmen, geschweige denn sich entscheidend absetzen. Betzingen erwischte zwar den etwas besseren Start, doch auch die Gäste ließen immer wieder Möglichkeiten liegen. Beim 4:5 nach knapp elf Minuten reagierte Felix mit einer frühen Auszeit, um etwas Ruhe in unser Spiel zu bringen. Emil übernahm früh Verantwortung, während Tim Bammel zwischen den Pfosten mit mehreren starken Paraden dafür sorgte, dass wir trotz unserer Fehler immer wieder im Spiel blieben.
Was anschließend folgte, war ein zähes Ringen um jeden einzelnen Treffer. Über 5:5, 6:6 und 7:7 entwickelte sich eine Partie, in der beide Mannschaften immer wieder die Gelegenheit hatten, sich einen Vorteil zu verschaffen, diese aber ebenso regelmäßig ungenutzt ließen. Als Martin nach knapp 20 Minuten zum 8:7 traf, konnten wir erstmals seit der Anfangsphase wieder in Führung gehen. Maxime und Seby legten wenig später nach und beim 10:8 hatten wir uns erstmals einen kleinen Vorsprung erarbeitet. Doch auch dieser sollte nicht lange Bestand haben. Betzingen kämpfte sich zurück, während wir es erneut versäumten, unsere Möglichkeiten konsequent zu nutzen. So ging es nach einer von Nervosität und zahlreichen Fehlern geprägten ersten Halbzeit mit einer hauchdünnen 13:12-Führung in die Kabine.
Nach dem Seitenwechsel übernahm Jörg den Platz zwischen den Pfosten und knüpfte dort an die starke Leistung seines Torhüterkollegen an. Auch er war in den entscheidenden Momenten immer wieder zur Stelle und sorgte mit wichtigen Paraden dafür, dass wir den Anschluss nicht verloren. Am Charakter der Partie änderte sich zunächst allerdings wenig. Beide Mannschaften lieferten sich weiterhin einen offenen Schlagabtausch, wobei Nervosität und zahlreiche vergebene Chancen das Spielgeschehen bestimmten. Beim 15:15 war nach wie vor alles offen, und selbst als wir uns erneut knapp absetzen konnten, fanden die Gäste stets eine Antwort. Nach gut 41 Minuten gerieten wir beim 17:18 sogar wieder in Rückstand. Es war einer dieser Momente, in denen ein Spiel nach all den Enttäuschungen der vergangenen Wochen durchaus hätte kippen können. Doch diesmal bewahrten wir die Ruhe. Emil übernahm vom Siebenmeterpunkt Verantwortung, Domi sorgte mit einem wichtigen Treffer für den erneuten Ausgleich und Tim Dzialoszynski brachte uns wenig später wieder in Führung.
Und dann begann jene Phase, auf die wir in den vergangenen Wochen so sehnsüchtig gewartet hatten. Plötzlich fanden wir wieder die Lösungen, die uns zuvor so häufig gefehlt hatten. Vorne übernahmen unsere Jungs Verantwortung, hinten wurde gemeinsam gearbeitet und mit jedem Treffer wuchs das Selbstvertrauen. Tim Dzialoszynski erhöhte auf 22:20, Martin legte nach und beim 23:20 knapp zehn Minuten vor Schluss war der erste Sieg plötzlich zum Greifen nah. Die Unterseehalle wurde lauter, die Anspannung auf der Platte war förmlich zu spüren und langsam machte sich dieses Gefühl breit, das wir aus so vielen gemeinsamen Spielen kannten: Heute lassen wir uns das nicht mehr nehmen.
Zunächst schien tatsächlich alles in unsere Richtung zu laufen. Domi erhöhte auf 24:21, ehe Emil mit zwei sicher verwandelten Siebenmetern und Maxime mit einem weiteren Treffer für klare Verhältnisse sorgten. Als Emil nach gut 54 Minuten zum 28:22 traf, betrug unser Vorsprung plötzlich sechs Tore. Sechs Tore! Nach all den Rückschlägen der vergangenen Wochen schien der erste Verbandsligasieg endlich in trockenen Tüchern.
Doch was dann folgte, lässt sich wohl am besten als fünf Minuten beschreiben, die wir so schnell wie möglich wieder vergessen sollten. Plötzlich war sie wieder da, diese Unsicherheit, die uns bereits über weite Strecken der Partie begleitet hatte. Unkonzentrierte Abschlüsse, unnötige Ballverluste und fehlende Konsequenz im Angriff brachten einen eigentlich komfortablen Vorsprung noch einmal gefährlich ins Wanken. Während wir vorne reihenweise Möglichkeiten liegen ließen, nutzte Betzingen unsere Fehler konsequent aus und verkürzte Tor um Tor. Aus dem beruhigenden 28:22 wurde zunächst ein 28:24, wenig später sogar ein 28:26. Was wenige Minuten zuvor noch nach einem ungefährdeten Heimsieg ausgesehen hatte, drohte uns plötzlich tatsächlich noch aus den Händen zu gleiten. Die Anspannung war zurück, die letzten Sekunden zogen sich und auf der Tribüne dürfte sich so mancher gefragt haben, wie wir dieses Spiel noch einmal derart spannend machen konnten.
Doch diesmal sollte es nicht so weit kommen. Als Martin eine halbe Minute vor Schluss zum erlösenden 29:26 traf, fiel endlich ein gewaltiger Stein von unseren Schultern. Zwar gelang Betzingen noch der letzte Treffer des Abends, doch dann ertönte die Schlusssirene. 29:27. Abpfiff. Der erste Verbandsligasieg war perfekt!
Was für eine Erleichterung. Nach Wochen, in denen wir uns immer wieder geschlagen geben mussten, durften wir endlich wieder gemeinsam jubeln. Endlich wieder zwei Punkte auf unserem Konto. Endlich wieder das Gefühl, für die harte Arbeit belohnt worden zu sein. Und auch wenn wir es uns am Ende unnötig schwer gemacht hatten, war dieser Erfolg keineswegs unverdient. Wir hatten uns durch eine nervöse Partie gekämpft, immer wieder Rückschläge weggesteckt und in den entscheidenden Momenten die richtigen Antworten gefunden.
Besonders Emil erwischte dabei einen starken Abend. Mit zehn Treffern war er unser erfolgreichster Werfer und übernahm gerade in den entscheidenden Phasen immer wieder Verantwortung. Maxime steuerte sechs Tore bei, während Martin, Tim Dzialoszynski und Domi mit jeweils vier Treffern ebenfalls einen wichtigen Anteil am Erfolg hatten. Nicht vergessen werden dürfen an dieser Stelle unsere beiden Torhüter, die uns mit ihren Paraden in beiden Halbzeiten immer wieder den Rücken freihielten.
Natürlich wissen wir, dass mit diesem Sieg noch längst nicht alle Probleme der vergangenen Wochen verschwunden sind. Gerade die letzten fünf Minuten haben uns noch einmal deutlich vor Augen geführt, dass wir uns auch bei einer komfortablen Führung keine längeren Konzentrationspausen erlauben dürfen. Doch dieser Samstag hat uns etwas zurückgegeben, das in den vergangenen Wochen vielleicht ein wenig verloren gegangen war: das Vertrauen in unsere eigenen Fähigkeiten. Wir haben gesehen, dass wir auch in dieser Liga Spiele gewinnen können, wenn wir als Mannschaft zusammenstehen und unser Potenzial abrufen.
Ein besonderes Lob verdienen an dieser Stelle auch die beiden Unparteiischen, die diese intensive und phasenweise hektische Begegnung mit einer souveränen und überzeugenden Leistung leiteten. Ebenso geht ein riesiges Dankeschön an unsere Fans, die uns auch an diesem Samstag wieder großartig unterstützt und bis zur letzten Sekunde mit uns mitgefiebert haben. Beim TSV Betzingen bedanken wir uns für das faire und spannende Spiel und wünschen euch für den weiteren Saisonverlauf alles Gute und eine verletzungsfreie Runde.
Für uns heißt es jetzt, diesen Schwung mitzunehmen und in den kommenden Wochen nachzulegen. Die nächste Gelegenheit dazu bietet sich bereits am kommenden Samstag, wenn wir um 17:45 Uhr auswärts bei der H2Ku Herrenberg antreten. Dort wollen wir an die positiven Momente dieses Abends anknüpfen und die nächsten beiden Punkte ins Visier nehmen. Über jeden, der uns auch auswärts unterstützt und den Weg nach Herrenberg auf sich nimmt, freuen wir uns natürlich riesig!