HSC Radolfzell
wie alles begann ...
Zur Gründung und Geschichte des HSC Radolfzell
1980 - Die Gründung
Die Narben sind erst spät verheilt. Streit, Missgunst und Enttäuschung – der Beigeschmack nach der Gründung des HSC Radolfzell im Jahr 1980 war bitter. Bei Gründungsversammlung war die überwältigende Mehrheit davon ausgegangen, dass die Handballabteilung des FC 03 Radolfzell nahtlos in den neu gegründeten HSC Radolfzell aufgehen würde.
Eine entsprechende Mitteilung des Südbadischen Handballverbands an den designierten ersten HSC-Vorsitzenden Manfred Lüttin machte diese Aussicht fast zur Gewissheit. Wenn alle Spieler der bisherigen Handballabteilung des FC in den neuen HSC übertreten würden, stünde einem nahtlosen Übergang nichts im Wege. Die erste Mannschaft könnte wieder in der Landesliga Süd antreten, auch alle anderen Mannschaften in den Klassen, für die sie sich qualifiziert hatten.
Womit keiner gerechnet hat: Im Sommer 1980 kam es bei einem Aufenthalt auf Mallorca zum großen Zerwürfnis des Vorstands mit Mitgliedern der AH-Mannschaft. Die „Alten Herren“ beharrten auf einem Verbleib im FC und organisierten eine Spielgemeinschaft mit dem TuS Steißlingen. Das bedeutete das Aus für den Landesliga-Platz des neu gegründeten Handball Sportclubs Radolfzell, der Südbadische Handballverband schlug diesen der neuen SG Steißlingen-Radolfzell zu. Mit wenigen Spielern, die noch ein FC-Pass hatten und einigen AH-Spielern trat diese Radolfzeller Mannschaft dann in der Landesliga an. Diese Spielgemeinschaft bestand gerade ein Jahr, dann war der Spuk vorbei. Der HSC dagegen musste in der Kreisklasse A mit einer stark besetzten Mannschaft den mühsamen Anlauf für einen Aufstieg in alte, höhere Leistungsklassen nehmen.
Die 90iger
Damit stand das Projekt HSC Radolfzell vor einem Scherbenhaufen, den keiner verursacht haben wollte. Ausschlaggebend für die Gründung eines eigenen Vereins war die Dominanz der Fußballer: In einem Fußballverein spielten die Handballer keine große Rolle, in Finanzfragen waren sie als Abteilung vom Mutterverein abhängig, nicht einmal den Abteilungsleiter durften die Handballer laut Vereinsstatut selbst wählen. Auch über die Verteilung der Einnahmen aus dem jährlichen Handball-Rasenturnier gab es Unstimmigkeiten. Der FC beanspruchte seinen Anteil, obwohl Organisation, Ausrichtung und Kosten allein bei der Handballabteilung lagen. Während es für Fußballer selbst in der Zweiten Mannschaft oft ein Handgeld gab, mussten die Landesliga-Handballer dankbar sein, wenn es ein Essen bei Auswärtsspielen gab.
Von diesem großen Zwist und den bitteren Jahren in der Kreisklasse A, der Bezirksklasse und dem nur vorübergehenden Wieder-Aufstieg in die Landesliga 1983 erholte sich der neue HSC Radolfzell nur langsam. Manfred Lüttin verabschiedete sich 1988 ganz nach Allensbach, sein Bruder Bernd Lüttin überredete 1989 Peter Rimmele, den langjährigen Spieler der ersten Mannschaft, den Vorsitz im Verein zu übernehmen. Bernd und Peter schafften es mit Geduld, Ausdauer und großem persönlichen Einsatz den Verein in geordnete Bahnen zu lenken. Günter Grewatsch, wie Peter Gründungsmitglied und langjähriger Spieler der Ersten, sorgte als Trainer dafür, dass die Damen-Mannschaften eine wichtige und verlässliche Rolle im Verein einnahmen.
45 Jahren HSC und mehr
Das zeichnet den HSC Radolfzell bis heute aus: Spielerinnen und Spieler übernahmen nach ihrer aktiven Zeit Aufgaben als Trainer oder im Vorstand des Vereins. Zu nennen wären da etwa Karola Rösch, Patrick Osann, Anita und Michael Windl, Jens Schultze, Michael Löhle, Magnus Haverkamp, Marion Schmider, Kerstin Bilidt, Astrid Mentenich-Rau und Martina Schmider.
Die Aufzählung ist nicht vollzählig und abgeschlossen, die nächste Generation kann und muss neue Aufgaben übernehmen. Denn der HSC ist im 46. Jahr seines Bestehens auch dank des Engagements des Fördervereins eine Erfolgsgeschichte. 400 Kinder und Jugendliche tummeln sich in 18 Mannschaften, über 100 Aktive spielen bei den Aktiven in vier Mannschaften und die erste Herren-Mannschaft hat erstmals den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft. Die Narben von einst, sie jucken nur noch bei den Älteren.
Georg Becker, Gründungsmitglied des HSC Radolfzell