Südkurier: Besuch vom THW Kiel: Das Ostercamp des HSC Radolfzell ist ein Magnet für Handballer


Der HSC Radolfzell richtet seit fünf Jahren das Ostercamp aus, das Interesse am Trainingslager ist groß. Dabei hilft ein Jugendtrainer des Handball-Bundesligisten THW Kiel mit. Der HSC will sich in Zukunft weiter als Familienverein entwickeln.

Abklatschen auf dem Spielfeld: In ihren neongrünen Trikots versammeln sich die Nachwuchshandballer des HSC Radolfzell um den Jugendtrainer David Flaig (schwarzer Pullover) in der Unterseehalle. Bild: Karola Rösch | Bild: Julian Kares

Das viertägige Handball-Trainingslager über die Osterferien ist beendet und bei Karola Rösch liegen schon 25 Anmeldungen für das nächste Jahr vor. Sie ist in der Geschäftsstelle des HSC Radolfzell für die Organisation der Ostercamps in der Unterseehalle verantwortlich: „Hier spielen nur Radolfzeller. In den Ferien ist unser Angebot ein Magnet für die Kinder.“ Karola Rösch möchte den HSC als Familienverein weiterentwickeln. Während des viertägigen Camps helfen sechs Mütter des HSC-Nachwuchs bei der Zubereitung von Salaten oder dem Kochen von Maultaschen, Wiener Würstchen oder Leberkäse zum Mittagessen.

„Wir haben einen unglaublich guten Kontakt zu den Familien.“

Die Eltern sind der große Trumpf des Handballvereins. Rösch: „Wir haben einen unglaublich guten Kontakt zu den Familien. Die Eltern sollen die Kinder nicht nur abgeben, sondern auch mithelfen.“ Es ist eine Stellschraube des Vereins, um seinen Mitgliederzahl in den Jugendabteilungen aufrechtzuerhalten. Vielmehr noch, durch Mundpropagande wächst die Anzahl im Jugendtraining. Bei den Bambinis, die ab zwei Jahren beim HSC mittrainieren dürfen, liege die Gruppengröße bei rund 40 Kleinkindern. Bei den etwas älteren Minis sehe die Anzahl ähnlich aus, so Rösch.

Trainer vom THE Kiel leitet das Camp

Die beiden Trainingslager, die der HSC im Jahr anbietet, sind seit dem Beginn vor fünf Jahren immer voll belegt. An Ostern sind die Kinder zwischen sechs und elf Jahren an der Reihe, im Herbst dürfen die älteren Handballer ran. Doch es ist eine Sache, viele kommende Nachwuchsspieler in seinen Reihen zu wissen. Ob sich daraus Talente oder spätere Leistungsspieler entwickeln, liegt am Training. Dafür holt sich der Verein an beiden Trainingslagern über eine Eventagentur die Hilfe vom deutschen Handball-Rekordmeister THW Kiel. David Flaig ist hauptberuflich Trainer in der Nachwuchsakademie des Bundesligisten. Mit seinem Kollegen Markus Lais und einem Team des Heim-Vereins leitete der 25-Jährige das Training für die 53 Kinder.

Kinder lernen schnell dazu

„Klar, es geht es für die Kinder in kurzer Zeit sehr intensiv zu. Doch die Fortschritte vom ersten Tag bis zum Abschlussspiel sind deutlich sichtbar“, sagt Flaig. Auf dem Programm standen Übungen, um die Grundlagen des Handballspiels zu verbessern. Die Kinder lernten, den Ball im Laufen zu fangen oder die richtige Armhaltung beim Passen des Balles. Außerdem wird laut Faig der Fokus für die Kinder auf die schnelle Verknüpfung des Gehirns zu den Muskeln gelegt. „Es geht darum, dass die Kinder mehrer Sachen gleichzeitig machen können. Beispielsweise durch eine am Boden liegende Leiter zu prellen und dabei eine gewisse Schrittfolge zu beherrschen.“

Bild: Julian Kares

„Es sind super Leute aus Kiel, die zu uns kommen.“

Das Geübte wurde in einem Wurf- und Konditionswettkampf getestet. In vier Stationen traten vier Gruppen gegeneinander an. In einer gewissen Zeit mussten beispielsweise Hütchen von der Holzbank geschossen werden oder die Bank prellend überquert werden. Flaig: „Wir wollen die Kinder für den Handball begeistern, dabei locken wir mit immer neuen Herausforderungen den Nervenkitzel heraus. Das macht ihnen unglaublich Spaß.“

Nicht nur die Kinder lernen von Flaig und den Kieler Trainern aus den Vorjahren. „Natürlich können sich die Betreuer des HSC etwas für ihr Training abschauen. Es sind super Leute aus Kiel, die zu uns kommen“, sagt Rösch.

Eltern halten den Kontakt

Auf der Tribüne saßen zum Abschluss rund 30 Eltern, die ihre Kinder durch die Halle fegen sahen. Für Karola Rösch und den HSC Radolfzell wird die Verbindung zu ihnen nach dem Ostercamp nicht abbrechen, dafür ist der Kontakt zu eng: „Eine Mutter hat mir am Abend ein Bild geschickt. Der Sohn hat mit seinem Vater die Übungen aus dem Camp durchgespielt. Vom Purzelbaum bis zum Prellen.“

Stipendium beim THW Kiel

Matteo Mastrocola ist der diesjährige THW-Youngster. Nach einer Sichtung im Herbst-Camp des HSC Radolfzell durfte der 12-Jährige nach Berlin, um mit hundert Nachwuchsspielern einen Tag lang zu trainieren. Die besten 21 Talente spielten danach ein Wochenende in der Nachwuchsakademie des THW Kiel vor. Der Sechsklässler schaffte es in die Endrunde. Betreut von den Nationalspielern Patrick Wiencek und Andreas Wolff überzeugte der Schüler des Friedrich-Hecker-Gymnasiums die Jury gegen sechs Konkurrenten. „Das sind Weltklassespieler. Jedes Lob hat mich angespornt“, sagt der HSC-Spieler über Wolf und Wiencek. Im nächsten halben Jahr darf Matteo Mastrocola in sieben Wochen in Kiel sein Können zeigen. Seine Ziele für die Zukunft hat er gesetzt: „Ich möchte mit dem HSC Radolzell die Süddeutsche Meisterschaft gewinnen und später in der Bundesliga beim THW Kiel spielen.“