
Schwierig, nach so einem Spiel die richtigen Worte zu finden. Selbst zwei Tage später ist der Schmerz noch deutlich spürbar. Mal wieder haben wir eine Führung nicht über die Ziellinie gebracht. Und das, obwohl wir mannschaftlich so geschlossen und konzentriert agiert haben wie selten in den vergangenen beiden Spielzeiten. Vielleicht ist genau das der Grund, warum
dieser Abend noch immer nachhallt. Weil wir gespürt haben, wie nah wir dran waren. Weil wir über weite Strecken genau das gespielt haben, was wir uns vorgenommen hatten – und
trotzdem stehen wir am Ende mit leeren Händen da. Dabei hatte dieser Abend eigentlich alles, was man sich für ein Topspiel wünschen kann. Eine volle Mettnauhalle, die von Beginn an hinter uns stand. Familien, Freunde und viele vertraute Gesichter auf den Rängen, die sich an diesem Samstagabend auf den Weg gemacht hatten, um uns zu unterstützen. Schon beim Einlaufen war zu spüren, dass dieser Abend mehr sein würde als ein gewöhnliches Ligaspiel. Die Halle lebte mit jeder Aktion. Jede Parade, jeder Treffer, jeder gewonnene Zweikampf fand sofort ein Echo auf den Tribünen. Diese Energie trug uns durch viele Momente des Spiels – und vielleicht macht genau das diese Niederlage am Ende noch ein Stück schwerer. Weil man weiß, wie viel an diesem Abend zusammengekommen war. Die ersten Minuten gehörten noch den Gästen aus Weilstetten. Sie fanden etwas schneller in die Partie und gingen zunächst mit 0:2 in Führung. Doch wir ließen uns davon nicht aus der Ruhe bringen. Schritt für Schritt arbeiteten wir uns in dieses Spiel hinein. Im Angriff lief dabei nicht alles reibungslos. Immer wieder unterliefen uns Fehlpässe, manchmal fehlte in entscheidenden Momenten die letzte Abstimmung oder die Geduld, um eine Aktion sauber zu Ende zu spielen. Es waren diese kleinen Ungenauigkeiten, die sich durch das Spiel zogen. Doch genau in dieser Phase begann etwas anderes zu entstehen. Während vorne nicht jede Aktion ihren Weg fand, entwickelte sich in der Defensive eine Ruhe und Entschlossenheit, die das Spiel lange offenhielt. Besonders im Mittelblock arbeiteten Lars, Knut und Emil Padberg mit einer Konsequenz, die vielleicht im ersten Moment gar nicht laut auffiel, deren Bedeutung für dieses Spiel aber kaum zu schätzen war. Immer wieder standen sie genau dort, wo sie stehen mussten. Sie nahmen Räume weg, stellten sich zwischen Gegner und Tor und zwangen Weilstetten dazu, ihre Angriffe neu aufzubauen. Es waren diese vielen kleinen Szenen, die selten in einer Statistik auftauchen: ein zugestellter Passweg, ein Schritt früher, ein Körper im richtigen Moment. Weilstetten musste sich jeden Angriff erarbeiten. Und genau diese Arbeit war es, die dafür sorgte, dass wir immer wieder im Spiel blieben – auch dann, wenn im Angriff nicht alles zusammenlief. Dass dieses Spiel lange so eng blieb, hatte viel mit dieser stillen, konzentrierten Abwehrarbeit zu tun. In den wenigen Momenten, in denen doch einmal eine Lücke aufging, war Jörg im Tor zur Stelle. Mit wichtigen Paraden nahm er den Gästen klare Möglichkeiten und gab unserer Defensive genau die Sicherheit, die solche Spiele brauchen. So entwickelte sich langsam genau das Spiel, das viele erwartet hatten: eng, intensiv, ohne klare Vorteile auf einer Seite. Beim Stand von 10:11 ging es schließlich in die Halbzeitpause. Ein Ergebnis, das gut zum Spielverlauf passte. Auch nach dem Seitenwechsel blieb es zunächst eine Partie auf Augenhöhe. Doch dann kam diese Phase, in der wir das Spiel scheinbar auf unsere Seite ziehen konnten. Treffer von Emil Franz, Ole Osann und Fynn Osann brachten uns in Führung und plötzlich schien sich das Spiel zu drehen. Als wir beim 19:15 erstmals mit vier Toren vorne lagen, spürte man, wie sich die Mettnauhalle mit jeder Aktion weiter auflud. In diesen Minuten trug uns die Halle spürbar nach vorne. Für einen Moment wirkte es, als könnte dieser Abend genau in die Richtung gehen, die wir uns alle erhofft hatten. Doch Handballspiele entscheiden sich selten in einem einzigen Moment. Sie verändern sich leise. Weilstetten blieb ruhig, blieb geduldig und nutzte jede kleine Unaufmerksamkeit. Treffer für Treffer arbeiteten sie sich zurück ins Spiel. Gleichzeitig verloren wir in einigen Situationen die Klarheit, die uns zuvor ausgezeichnet hatte. Würfe wurden schwieriger, Angriffe hektischer – und plötzlich war der Vorsprung wieder geschmolzen. Aus dem 21:17 wurde ein 21:19, wenig später ein 22:21. Und dann begann diese Schlussphase, in der jede Aktion schwerer wird als die davor. In der jeder Ball das Spiel entscheiden kann. Weilstetten glich aus. Und kurz vor Schluss fiel der Treffer zum 22:23. Ein einziges Tor. Mehr trennte uns am Ende nicht. Doch bei aller Enttäuschung über das Ergebnis gab es an diesem Abend auch einen Moment, der vieles relativierte. Im Laufe der ersten Halbzeit verletzte sich der Gästetorhüter Nico Huber schwer und musste das Spiel vorzeitig beenden. In solchen Momenten tritt das Ergebnis für einen Augenblick in den Hintergrund und man merkt, dass es im Sport um mehr geht als um Tore und Punkte. Wir wünschen Nico auf diesem Weg eine schnelle und vollständige Genesung und hoffen, ihn bald wieder auf dem Spielfeld zu sehen.
Als die Sirene ertönte, blieb zunächst nur Stille. Diese besondere Stille, die nach Spielen entsteht, in denen man weiß, wie nah man dran war. Die Halle, die uns zuvor getragen hatte,
wirkte plötzlich ganz ruhig. Mit wem man auch sprach, jeder suchte die Fehler zuerst bei sich selbst. Ich machte mir Vorwürfe wegen des letzten Siebenmeters, den ich nicht halten konnte – obwohl ich eigentlich wusste, in welche Ecke der Wurf gehen würde. Martin und Emil Franz ärgerten sich über Chancen, die in den entscheidenden Minuten nicht den Weg ins Tor fanden. Und auch Lars fühlte sich verantwortlich, weil er kurz vor Schluss seine dritte Zeitstrafe sah und wir die letzten Minuten ohne ihn zu Ende spielen mussten.
Doch eigentlich ist das alles Unsinn. Denn gerade diese Spieler waren es, die dieses Spiel zuvor überhaupt erst möglich gemacht haben. Ohne Lars, der im Mittelblock unermüdlich
arbeitete und unsere Abwehr zusammenhielt, wäre dieses Spiel niemals so eng geworden. Ohne Martin und Emil Franz, die im Angriff Verantwortung übernahmen und immer wieder
Lösungen fanden, hätten wir uns diese Führung nie erarbeitet. Sie waren genau diese Variablen in der Gleichung, ohne die die Rechnung an diesem Abend niemals aufgegangen
wäre. Fehler gehören zum Sport dazu. Nicht jede Entscheidung funktioniert, nicht jeder Wurf findet sein Ziel. Aber Handball ist nun einmal ein Mannschaftssport. Spiele werden
gemeinsam gewonnen – und manchmal eben auch gemeinsam verloren. Und genau deshalb stehen wir auch nach diesem Abend zusammen. Wir sind eine Mannschaft.
Unser Dank gilt dem TV Weilstetten II für eine intensive, harte, aber jederzeit äußerst faire Partie. Ebenso danken wir unseren Fans, die uns an diesem Abend in der Mettnauhalle lange
und unermüdlich unterstützt haben. Familien, Freunde und viele vertraute Gesichter, die sich auf den Weg gemacht hatten, um uns anzufeuern – und denen wir am Ende leider nicht das
zurückgeben konnten, was sie verdient hätten. Doch die Saison geht weiter. Schon am kommenden Samstag wartet die nächste Aufgabe auf uns. Dann sind wir auswärts bei der HSG Baar gefordert. Anwurf ist um 19:30 Uhr. Eine neue Chance. Ein neues Spiel. Und die Möglichkeit, aus genau solchen Abenden die richtigen Lehren zu ziehen

