
Der HSC Radolfzell verliert auch sein zweites Auswärtsspiel der Saison bei der hsg Rottweil mit 22:30 und muss damit weiterhin auf die ersten Punkte in der Verbandsliga warten.
Wie beschreibt man die aktuelle Lage beim uns am besten? Vielleicht mit einem Blick auf die Tankstellen: Da gab es definitiv auch schon mal rosigere Zeiten. Mit immer weiteren krankheits- und verletzungsbedingten Ausfällen wird die Situation für uns momentan nicht einfacher. Besonders der Ausfall unseres Leistungsträgers Fynn Osann machte sich bereits unter der Woche in den Trainingseinheiten bemerkbar. Dazu kam eine Krankheitswelle, die für eine alles andere als optimale Trainingswoche sorgte. Die Voraussetzungen für das zweite Auswärtsspiel waren also schon vor dem Anpfiff alles andere als ideal. Eigentlich war trotzdem alles angerichtet: Samstagabend, 19:00 Uhr, eine gut gefüllte Halle in Rottweil und die Vorfreude auf ein weiteres Verbandsliga-Spiel. Leider fehlte uns an diesem Abend aber genau das, was man für solche Spiele braucht: die nötige Abgezocktheit, Coolness und vor allem die Spielfreude.
Die Partie begann zunächst ausgeglichen. Beide Mannschaften trafen jeweils zweimal, ehe wir leider schnell den Faden verloren. Rottweil nutzte unsere ersten Unkonzentriertheiten konsequent und konnte sich erstmals mit vier Toren absetzen. Die darauffolgende Auszeit brachte zwar kurzzeitig neuen Schwung in unser Spiel, doch danach schlichen sich weiterhin zu viele technische Fehler und Fehlwürfe ein. Rottweil nahm diese Geschenke dankend an und baute die Führung Stück für Stück weiter aus. Und als wäre die aktuelle Personalsituation nicht schon schwierig genug, kam auch noch eine gehörige Portion Pech dazu. Abpraller landeten gefühlt grundsätzlich direkt beim Gegner, Würfe fanden statt des Netzes den Pfosten und auch unser Torhüter Louis musste nach einer sensationellen Doppelparade verletzungsbedingt passen. Damit reihte auch er sich in die ohnehin schon lange Liste der verletzten Spieler ein. Auch offensiv fanden wir in dieser Phase nur selten die richtigen Lösungen gegen die offene 3:2:1-Abwehr der Rottweiler. Uns fehlte die Bewegung, die Konsequenz in den Aktionen und letztlich auch die nötige Durchschlagskraft. Gleichzeitig bekamen wir in der Abwehr nur phasenweise Zugriff auf das Spiel der Gastgeber. Die Konsequenz daraus war ein deutlicher 18:9-Rückstand zur Halbzeit.
Die Halbzeitansprache der Trainer fiel entsprechend deutlich aus. Neun Tore in einer Halbzeit sind für unsere Ansprüche und vor allem für diese Liga schlichtweg zu wenig. Mit einer solchen Leistung wird es gegen die kommenden Gegner sehr schwer, etwas Zählbares mitzunehmen. Klar war aber auch: Aufgeben war keine Option.
Wir kamen trotz der ernüchternden ersten Halbzeit deutlich besser aus der Kabine und zeigten ein anderes Gesicht. Mit einem starken Rückhalt von Tim im Tor, guten Eins-gegen-Eins-Aktionen von Emil und einem sicheren Maxime von der Siebenmeterlinie konnten wir den Rückstand zumindest stabil halten und verhindern, dass Rottweil noch weiter davonzieht. Vor allem kämpferisch zeigte die Mannschaft nun eine deutlich bessere Einstellung. Trotz des großen Rückstands wurde weiter um jeden Ball gekämpft und versucht, das Spiel nicht komplett aus der Hand zu geben. Der Rückstand konnte zwar nicht mehr entscheidend verkürzt werden, aber wir ließen uns auch nicht hängen. Gerade in der zweiten Halbzeit wurde allerdings auch deutlich, wie dünn unser Kader momentan ist. Die vielen Ausfälle machen sich irgendwann zwangsläufig bemerkbar, und irgendwann sind die Akkus einfach leer. Am Ende mussten wir uns dem SV Rottweil verdient mit 30:22 geschlagen geben.
Natürlich ist die aktuelle Situation nicht das, was wir uns nach den ersten beiden Saisonspielen vorgestellt haben. Zwei Auswärtsspiele, zwei Niederlagen und weiterhin keine Punkte auf dem Konto – viel schöner kann eine Zwischenbilanz sicherlich aussehen. Trotzdem bringt es nichts, jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Auch wenn momentan vieles gegen uns zu laufen scheint, werden wir nicht aufgeben. Die Saison ist noch lang, und wir wissen, dass wir deutlich mehr können, als wir in Rottweil über weite Strecken gezeigt haben. Jetzt heißt es, die angeschlagenen Spieler wieder fit zu bekommen, die Trainingswoche bestmöglich zu nutzen und weiter an unseren Fehlern zu arbeiten. Denn eines ist sicher: Wir werden weiterkämpfen, weiter zusammenhalten und alles dafür tun, dass die ersten Punkte nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

