Topspiel in Sulgen – 60 Minuten am Limit


Es sind diese Abende, auf die man die ganze Saison hinarbeitet. Spiele, in denen sich nicht nur Tabellenplätze entscheiden, sondern Richtungen. Dritter gegen Fünfter. Ein echtes Do-or-Die Spiel. Die Ausgangslage war für beide Mannschaften unmissverständlich. Wer dieses Spiel verliert, verliert den Anschluss an die Spitzengruppe und verabschiedet sich somit wohl auch aus dem Aufstiegsrennen. Das galt für uns genauso wie für die SG Dunningen/Schramberg. Uns war bewusst, was uns dort erwarten würde. Eine Mannschaft, die zu Hause bislang
makellos geblieben war, die noch keinen einzigen Punkt abgegeben hatte und ihre Halle zu einer echten Festung gemacht hatte. Es war angerichtet.

Die Partie begann intensiv und mit viel Tempo. Dunningen erwischte den etwas besseren Start und ging früh in Führung, doch wir fanden schnell Antworten. Vor allem Fynn war in dieser Phase immer wieder zur Stelle, traf mehrfach aus dem Rückraum und gab unserem Spiel die nötige Stabilität. Mit zunehmender Spielzeit bekamen wir mehr Zugriff auf die Partie. Die Abwehr arbeitete kompakter, wir gewannen mehr Bälle und konnten das Tempo erhöhen. Auch vom Siebenmeterpunkt blieb Ole über weite Strecken sicher und sorgte dafür, dass wir uns Schritt für Schritt absetzen konnten. So drehten wir das Spiel nicht nur, sondern erspielten uns bis zur Pause eine kleine Führung. Beim Stand von 17:13 gingen wir in die Kabine. Ein Vorsprung, der sich erarbeitet anfühlte, aber gleichzeitig keine Sicherheit gab. Denn klar war: Dieses Spiel würde noch einmal kippen können. Und genau so kam es.

Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gastgeber den Druck. Sie fanden bessere Lösungen im Angriff, nutzten ihre Chancen konsequenter und arbeiteten sich Tor um Tor heran. Unsere Angriffe wurden phasenweise unruhiger, Abschlüsse schwieriger und plötzlich war die Partie wieder völlig offen. Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, geprägt von Zweikämpfen, Emotionen und vielen kleinen Momenten. Auch ich konnte im Tor immer wieder wichtige Akzente setzen, hielt in entscheidenden Phasen mit wichtige Paraden dagegen und gab der Mannschaft damit den nötigen Rückhalt. Keine überragende Leistung, aber genau die Präsenz,  die man in solchen Spielen braucht.

Mit zunehmender Spielzeit verdichtete sich die Spannung immer weiter. Beim Stand von 29:29 war alles offen – und die Partie längst kein Spiel mehr, sondern ein Ringen um jeden einzelnen Ball. Und dann kam dieser Moment. Den Gastgebern unterlief ein Foul. Für einen Augenblick schien alles gleichzeitig zu passieren. Die Schiedsrichter griffen ein, die Arme gingen nach oben und dann die Entscheidungen: Zwei Minuten für Lennart Kugler. Einen Augenblick später: zwei Minuten für Laurin Kugler. Doppelte Unterzahl für die Hausherren.

Die Halle kochte. Pfiffe, Rufe, Emotionen. Alles entlud sich in diesem einen Moment. Es war, als würde die gesamte Atmosphäre dieses Abends genau hier kulminieren. Dann die nächste Entscheidung. Siebenmeter für uns. Während unsere mitgereisten Fans alles versuchten, dagegenzuhalten, schwoll von den Rängen ein gellendes Pfeifkonzert an. Laut, durchdingend, unaufhörlich. Ole trat an. Ein Schritt. Noch einer. Dann der Wurf. Und kein Tor.

Die Halle explodierte. Ein Schrei, getragen von den Dunninger Anhängern, die diesen Moment mit aller Wucht auf ihre Seite zogen. Für einen Augenblick schien es, als würde das Spiel genau hier kippen. Doch genau hier zeigte sich unsere Mannschaft. Wir blieben ruhig. Kein Hadern, kein Blick zurück. Nur der nächste Angriff. Und diesmal nutzten wir den Moment. Maxime übernahm Verantwortung, fand die Lücke und brachte uns in Führung. Und wenige Sekunden vor Schluss setzte Emil den entscheidenden Treffer zum 31:29. Kurze Zeit später dann der Schlusspfiff.

Ein Sieg, der vielleicht nicht der schönste war, aber einer, der enorm wichtig ist. Und vielleicht auch einer, bei dem wir am Ende das entscheidende Quäntchen Glück auf unserer Seite hatten. Als die Sirene ertönte, war es kein lauter Jubel, der im Vordergrund stand. Es war vielmehr ein Moment des Durchatmens. Eine Last, die spürbar von den Schultern fiel – bei uns auf dem Feld, aber vor allem auch beim Trainerteam, das dieses Spiel genauso intensiv durchlebt hatte. Nach und nach wich die Anspannung der Erleichterung. Man sah es in den Gesichtern, in den Gesten, in den kleinen Momenten danach. Es war kein gewöhnlicher Sieg. Und genau deshalb wird dieses Spiel wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Nicht mit dabei waren bei diesem Spiel weiterhin Matteo und Jörg, die uns aktuell verletzungsbedingt fehlen, aber hoffentlich bald wieder zur Mannschaft stoßen werden. Auch Knut steht kurz vor seiner Rückkehr. Umso schöner war es, dass Jannis an seinem Geburtstag mit dabei war, auch wenn für ihn, nach seiner Verletzung, die Saison leider bereits beendet ist.

Ein besonderer Abend war es auch für unsere Fans. Viele haben den Weg nach Schramberg auf sich genommen, haben uns aus Radolfzell begleitet und uns über die gesamten 60 Minuten lautstark unterstützt. Gerade in einem solchen Spiel ist das alles andere als selbstverständlich. Umso  mehr freut es uns, dass wir ihnen am Ende auch etwas zurückgeben konnten. Unser Dank gilt der SG Dunningen/Schramberg für ein intensives, hart geführtes, aber jederzeit faires Spiel. Wir haben an diesem Abend die Oberhand behalten aber es war ein Duell auf Augenhöhe, das uns alles abverlangt hat.

Und vielleicht ist es genau das, was bleibt. Ein Spiel, das alles hatte. Ein Spiel, das entschieden wurde. Und eines, das noch lange nachklingen wird. Doch lange Zeit, diesen Abend nachwirken zu lassen, bleibt nicht. Am Samstag, den 11. April, sind wir zum vorletzten Mal in dieser Saison vor heimischer Kulisse gefordert. Gegner ist die SG Allensbach/Dettingen. Mit Blick auf die Tabelle und die verbleibenden Spiele wird auch dieses Duell an Bedeutung gewinnen. Die Saison geht in ihre entscheidende Phase, jeder Punkt kann am Ende den Unterschied machen. Umso wichtiger wird es sein, die Energie aus diesem Spiel mitzunehmen und vor heimischem Publikum nachzulegen. Gerade in solchen Momenten kann die Mettnauhalle noch einmal den entscheidenden Unterschied machen. Wir wollen den nächsten Schritt gehen. Und dafür brauchen wir euch. Kommt in die Halle und unterstützt uns.