Der Traum lebt – 120 Minuten entscheiden alles!


 

Ach ihr… Irgendwie habe ich euch doch auch wieder ein bisschen vermisst. Jetzt sind schon einige Wochen vergangen, ohne dass ich hier wirklich etwas von mir hören lassen habe. Keine langen Spielberichte spät nachts nach emotionalen Spielen, keine Gedanken direkt aus der Kabine heraus. Aber vielleicht brauchte genau diese Saison am Ende nochmal genau diesen Moment. Denn jetzt wird es ernst. Und wenn man ehrlich ist, fühlt sich das alles mittlerweile fast ein bisschen unwirklich an.

Vor einem Jahr haben wir gemeinsam den Aufstieg in die Landesliga gefeiert. Ein neuer Schritt, eine neue Herausforderung. Viele hofften darauf, dass wir uns dort etablieren, dass wir mithalten können und eine gute Saison spielen. Aber dass wir jetzt tatsächlich nur noch wenige Spiele davon entfernt stehen würden, direkt den nächsten Aufstieg schaffen zu können – damit hätten wahrscheinlich die wenigsten gerechnet. Und genau deshalb fühlt sich diese Saison gerade so besonders an.

Denn diese Mannschaft hat sich alles erarbeitet. Woche für Woche. Spiel für Spiel. Durch enge Siege, bittere Niederlagen und Spiele, die uns emotional alles abverlangt haben. Es gab Momente, in denen wir kurz davor waren, alles aus der Hand zu geben. Spiele, in denen wir am Boden lagen. Und trotzdem sind wir immer wieder aufgestanden. Nicht perfekt. Nicht fehlerfrei. Aber immer mit Herz.

Jeder Einzelne hat alles auf dem Feld gelassen. Mal hat es gereicht, mal eben nicht. Aber immer mit euch im Rücken. Und genau das darf man niemals vergessen. Ihr wart da. Immer. Zuhause in der Mettnauhalle, aber genauso in fremden Hallen irgendwo auswärts. Ihr habt Kilometer auf euch genommen, habt uns getragen, habt uns durch schwierige Phasen geschrien und uns bis zur letzten Sekunde unterstützt. Und genau deshalb fühlt sich diese Saison nicht nur wie unsere Saison an, sondern wie eine gemeinsame.

Mit dem Sieg gegen Fridingen haben wir die Vizemeisterschaft perfekt gemacht und damit den Traum am Leben gehalten. Den Traum, nach nur einer Saison in der Landesliga direkt den nächsten Schritt zu gehen. Verbandsliga. Wenn man dieses Wort ausspricht, klingt es immer noch irgendwie surreal. Und vielleicht macht genau das diesen Sport manchmal so besonders. Dass man gemeinsam Dinge erleben darf, die vorher noch unglaublich weit weg wirkten. Vor allem gemeinsam mit Menschen, die einen durch die ganze Saison tragen.

Genau deshalb fühlt sich auch das, was jetzt kommt, irgendwie besonders an. Das Los hat entschieden: Wir sind Ausrichter der Verbandsliga-Relegation. Doch gespielt wird morgen nicht in der Mettnauhalle, sondern im Steißlinger Mindlestal. Und ganz ehrlich? Allein dieser Gedanke löst bei mir etwas aus. Drei Jahre durfte ich dort spielen. Drei Jahre, die mich geprägt haben. Von der Landesliga bis zu meinen ersten Minuten in der BWOL hat mir Steißlingen unglaublich viel gegeben. Diese Halle hat Siege erlebt, Niederlagen, Emotionen, Zweifel und unvergessliche Abende. Und jetzt dorthin zurückzukehren – mit der Chance, genau dort vielleicht den größten Erfolg der Radolfzeller Herrenhandballgeschichte zu erreichen – fühlt sich fast an wie eine Geschichte, die nur dieser Sport schreiben kann.

Doch jetzt richtet sich der Blick nur noch nach vorne. Denn was jetzt kommt, wird brutal schwer. Mit der HSG Ortenau Süd, dem HC Neuenbürg II und dem TV Brühl warten drei Mannschaften auf uns, die sich diese Relegation genauso verdient haben wie wir. Drei Mannschaften, die alles investieren werden. Drei Mannschaften, die denselben Traum haben. Um 11 Uhr eröffnen wir das Turnier gegen die HSG Ortenau Süd. Danach bleibt kaum Zeit zum Durchatmen, ehe wir um 13:30 Uhr auf die Reserve des HC Neuenbürg treffen. Und wenn um 16:45 Uhr das letzte Spiel des Tages gegen den TV Brühl angepfiffen wird, beginnt damit gleichzeitig auch unser letztes Spiel dieser Saison.

120 Minuten. Vielleicht die wichtigsten 120 Minuten der letzten Jahre. 120 Minuten, in denen es nicht mehr um Tabellen oder Rechenspiele geht. Nicht mehr darum, was irgendwann einmal sein könnte. Jetzt geht es nur noch um diesen einen Tag. Um diese eine Halle. Um diese Mannschaft. 

Und genau deshalb brauchen wir euch jetzt mehr denn je. Jeder aus Radolfzell, der irgendwie Zeit hat, muss morgen ins Mindlestal kommen. Wirklich jeder. Wir brauchen euch laut. Emotional. Unermüdlich. Denn genau solche Tage bleiben am Ende für immer. Nicht wegen Tabellen oder Zahlen. Sondern wegen dieser Momente, wenn plötzlich eine ganze Halle gemeinsam an etwas glaubt. Wenn nach einer Parade alles explodiert. Wenn nach einem Tor jeder von der Tribüne aufspringt. Wenn eine Mannschaft spürt, dass hinter ihr nicht nur Zuschauer stehen, sondern eine ganze Stadt. Und vielleicht wird genau das morgen den Unterschied machen. Vielleicht sind es genau eure Stimmen, die uns durch schwierige Phasen tragen. Genau eure Emotionen, die uns die letzten Kräfte geben. Genau dieses gemeinsame Gefühl, das aus einer Mannschaft plötzlich etwas Größeres macht.

Denn jetzt sind wir so nah dran. So nah dran, etwas zu schaffen, das vor einem Jahr noch unglaublich weit weg wirkte. Der direkte Durchmarsch von der Landesliga in die Verbandsliga. Und wenn morgen Abend die letzten Sekunden dieser Saison laufen, dann soll niemand sagen können, wir hätten nicht alles investiert. Nicht wir auf dem Feld. Und nicht ihr auf der Tribüne. Also kommt ins Mindlestal. Bringt Freunde, Familien, ehemalige Spieler, Mannschaftskollegen – bringt alle mit. Macht diese Halle zu unserer Halle. Lasst sie beben. Lasst uns gemeinsam alles dafür tun, dass aus diesem Traum vielleicht wirklich Realität wird. 

Denn vielleicht sind wir nur noch 120 Minuten davon entfernt, Geschichte zu schreiben.