
So, ein letztes Mal darf ich in dieser Saison für euch in die Tasten hauen. Und wenn ich ehrlich bin, fällt es mir verdammt schwer, die richtigen Worte für das zu finden, was wir in den vergangenen Monaten gemeinsam erlebt haben. Denn was war das bitte für ein unvergesslicher Ritt? Wer vor der Saison ein ruhiges oder solides Jahr in der Landesliga erwartet hatte, wurde von den Ereignissen eines Besseren belehrt. Diese Spielzeit hatte alles zu bieten, was unseren Sport so besonders macht: glorreiche Siege, bei denen wir gemeinsam die Halle zum Beben brachten, schmerzhafte Niederlagen, die noch Tage später in den Köpfen hingen, und nervenaufreibende Duelle gegen die direkte Konkurrenz, in denen jeder einzelne Zentimeter Hallenboden hart erkämpft werden musste. Doch wenn es ein Wort gibt, das diese Monate überdauert, dann ist es Zusammenhalt.
Während wir vor und während der Saison neue Gesichter in unseren Reihen begrüßen durften, schlug auf der anderen Seite das Verletzungspech erbarmungslos zu. Immer wieder brachen wichtige Säulen unseres Spiels weg – manche für Wochen, manche für den Rest der Saison. Und als wäre das nicht schon Prüfung genug gewesen, traf uns mitten in der Vorbereitung der wohl härteste Schlag der jüngeren Vereinsgeschichte: der plötzliche Verlust unserer geliebten Unterseehalle. Unser Zuhause. Unsere Festung. Ein Moment, der jede normale Mannschaft komplett aus der Bahn geworfen hätte. Doch statt daran zu zerbrechen, haben wir den Kreis nur noch enger geschlossen. Wir trainierten dort, wo es eben irgendwie möglich war, spielten in fremden Hallen und machten sie für sechzig Minuten zu unserem eigenen Revier. Gejammert wurde nie. Jeder Einzelne stellte sein Ego in den Dienst der Mannschaft, übernahm Verantwortung und ließ sein Herz auf dem Spielfeld. Und genau in diesen Momenten wart ihr da. Ob zuhause oder auswärts, ob zwanzig Minuten entfernt oder am anderen Ende des Bezirks – ihr seid mitgefahren. Ihr habt uns getragen, uns durch die schwierigsten Phasen geschrien und bis zur allerletzten Sekunde bedingungslos an uns geglaubt. Mal hat es gereicht, mal eben nicht. Aber nicht ein einziges Mal in dieser Saison hatte man das Gefühl, allein auf der Platte zu stehen. Vielleicht ist genau aus diesem gemeinsamen Geist etwas entstanden, das größer war als wir selbst. Denn wer hätte vor einem Jahr ernsthaft geglaubt, dass wir am Ende nur einen einzigen Punkt hinter dem Meister ins Ziel kommen würden? Dass wir als Vizemeister plötzlich um den Aufstieg zur Verbandsliga kämpfen würden? Und trotzdem wurde aus einem Traum plötzlich Realität.
Nach einem dramatischen Saisonfinale und dem furiosen Heimsieg gegen Fridingen war die Vizemeisterschaft perfekt – und mit ihr das Ticket für die Verbandsliga-Relegation. Der Traum lebte. Und plötzlich führte uns dieser Traum ausgerechnet ins Steißlinger Mindlestal. Eine Halle, mit der ich persönlich drei intensive Jahre voller Emotionen verbinde – von der Landesliga bis zu meinen ersten Minuten in der BWOL. Genau dort sollte sich nun entscheiden, ob aus unserem Traum eine Geschichte werden würde. Um 11 Uhr eröffnete unser Duell gegen die HSG Ortenau Süd am Vatertags-Donnerstag das Turnier. Von der ersten Sekunde an war in den Augen jedes Einzelnen zu erkennen, dass wir bereit waren, alles zu investieren.
Mit einer überragenden Defensivleistung und unbändigem Willen gelang uns ein souveräner 25:17-Erfolg – der perfekte Start in einen langen Handballtag. Doch jeder wusste, dass das schwerste Stück Arbeit noch vor uns lag. Mit der Reserve des HC Neuenbürg wartete der vermutlich stärkste Gegner des Turniers. Es war ein Spiel, das sich schon vor dem Anpfiff wie ein vorgezogenes Finale anfühlte. Jeder Zweikampf wurde angenommen, jeder Ball bis zur letzten Sekunde verteidigt und jeder Treffer lautstark gefeiert. Wir warfen alles in die Waagschale und belohnten uns am Ende mit einem hochverdienten 31:23-Erfolg. Der Jubel war riesig. Doch der Aufstieg war noch nicht perfekt. Was dann folgte, war die reinste Nervenprobe. Während wir bereits erschöpft auf der Tribüne saßen, richteten sich alle Blicke auf die Begegnung zwischen der HSG Ortenau Süd und dem TV Brühl. Plötzlich waren wir machtlos. Nicht mehr selbst auf der Platte, sondern zum Zuschauen verdammt. Minuten, die sich anfühlten wie eine Ewigkeit. Dann ertönte die Schlusssirene. Ortenau hatte gewonnen.
Und in genau diesem Moment fiel die Anspannung einer ganzen Saison von uns ab. Verbandsliga. Es wurde geschrien, gelacht, geweint und sich fassungslos in die Arme gefallen. Spieler, Trainer, Betreuer und Fans standen gemeinsam auf der Tribüne, realisierten langsam, was sie gerade erreicht hatten, und feierten einen Erfolg, den vor einem Jahr wohl niemand für möglich gehalten hätte. Der direkte Durchmarsch von der Landesliga in die Verbandsliga war Wirklichkeit geworden. Dass um 16:45 Uhr noch ein letztes Spiel gegen den TV Brühl auf dem Programm stand, spielte in diesem Moment fast schon eine untergeordnete Rolle. Brühl hatte keine Chance mehr auf den Aufstieg, wir hatten unser großes Ziel bereits erreicht.
Und trotzdem wollte diese Mannschaft ihre Saison nicht einfach austrudeln lassen. Ein letztes Mal gemeinsam auf die Platte. Ein letztes Mal füreinander kämpfen. Ein letztes Mal diesen Tag genießen. Mit einem souveränen 31:16-Erfolg machten wir den perfekten Turniertag perfekt und krönten uns mit drei Siegen aus drei Spielen zum verdienten Turniersieger.
Was am Ende dieser Reise bleibt, ist weit mehr als ein Tabellenplatz oder eine neue Liga. Es bleiben Erinnerungen an volle Hallen, an kilometerlange Auswärtsfahrten, an emotionale Siege, bittere Niederlagen und an eine Mannschaft, die niemals aufgehört hat, an sich selbst zu glauben. Vor allem aber bleibt die Gewissheit, dass dieser Erfolg nicht nur den Spielern auf der Platte gehört. Er gehört jedem einzelnen Menschen, der diesen Weg begleitet hat. Den Fans, die jede fremde Halle zu einem Stück Radolfzell gemacht haben. Dem Trainerteam, das nie den Glauben verloren hat. Den Verletzten, die von außen mitgelitten und mitgefiebert haben. Allen Helfern, Betreuern, Sponsoren und Unterstützern, die diesen Verein tragen.
Vor einem Jahr sind wir in die Landesliga aufgestiegen. Heute stehen wir in der Verbandsliga. Und wenn diese Saison eines bewiesen hat, dann, dass Träume tatsächlich Wirklichkeit werden können – wenn eine Mannschaft, ein Verein und eine ganze Stadt gemeinsam an sie glauben.
Verbandsliga. Wir kommen. Und wir haben nicht vor, nur zu Besuch zu sein.

