Da sind wir also. Verbandsliga. Nach all den Emotionen der vergangenen Saison, nach dem Durchmarsch durch die Landesliga und diesem unvergesslichen Relegationstag im Steißlinger Mindlestal hat am vergangenen Samstag nun endgültig das nächste Kapitel unserer Geschichte begonnen. Und irgendwie hätte die Kulisse dafür kaum passender sein können. Denn ausgerechnet für unser erstes Heimspiel in der Verbandsliga durften wir endlich dorthin zurückkehren, wo wir hingehören: in unsere Unterseehalle. Fast ein Jahr lang mussten wir auf unser eigentliches Zuhause verzichten, mussten improvisieren, in anderen Hallen trainieren und unsere Heimspiele fernab der gewohnten Umgebung austragen. In dieser Zeit ist verdammt viel passiert. Wir haben eine komplette Landesligasaison gespielt, uns bis auf einen Punkt an den Meister herangekämpft, die Relegation erreicht und am Ende tatsächlich den nächsten Aufstieg geschafft. Vor einem Jahr mussten wir diese Halle als frischgebackener Landesligist verlassen. Jetzt kehrten wir als Verbandsligist zurück. Allein das muss man sich eigentlich einmal auf der Zunge zergehen lassen. 225 Zuschauer waren gekommen, die Tribüne endlich wieder gefüllt, die vertrauten Geräusche wieder da – und nach all den Monaten in der Fremde durften wir endlich wieder dort einlaufen, wo sich ein Heimspiel für uns auch wirklich nach Heimspiel anfühlt.
Natürlich hatten wir uns diesen Abend ausgemalt. Erstes Heimspiel in der Verbandsliga. Rückkehr in die Unterseehalle. Die eigenen Leute im Rücken. Eigentlich war alles angerichtet für die nächste dieser Geschichten, von denen wir in den vergangenen Monaten so viele schreiben durften. Nur hatte der TV Spaichingen an diesem Abend andere Pläne. Dabei begann unsere Rückkehr ins eigene Wohnzimmer eigentlich genauso, wie wir sie uns erhofft hatten. Yannik eröffnete das Spiel nach nicht einmal einer Minute und legte wenig später direkt das 2:1 nach. Seby traf doppelt, Ole setzte noch einen drauf. Nach etwas mehr als sechs Minuten führten wir mit 6:3. Und plötzlich war es wieder da, dieses Gefühl. Die Unterseehalle wurde lauter, die ersten Emotionen schwappten von der Platte auf die Tribüne und wieder zurück. Nach fast einem Jahr Abstinenz fühlte es sich für ein paar Minuten tatsächlich so an, als wären wir nie weg gewesen.
Doch dann bekamen wir ziemlich schnell zu spüren, was uns in dieser Liga erwarten wird. Spaichingen ließ sich von unserem guten Start überhaupt nicht beeindrucken. Die Gäste blieben ruhig, nutzten unsere Fehler konsequent aus und drehten die Partie innerhalb weniger Minuten. Aus unserem 6:3 wurde zunächst ein 6:6, wenig später lagen wir mit 6:8 zurück. Ole brachte uns beim 8:8 noch einmal zurück, doch anschließend verloren wir zunehmend den Zugriff. Besonders Dominik Wetzel und Tim Wenzler stellten uns immer wieder vor Probleme, während wir uns vorne jeden Treffer hart erarbeiten mussten. Beim 8:11 nach gut 16 Minuten reagierte Felix mit der ersten Auszeit, doch auch danach konnten wir den Lauf der Gäste zunächst nicht stoppen. Aus einem engen Spiel wurde innerhalb weniger Minuten ein Hinterherlaufen. Spaichingen nutzte unsere Fehler, während wir immer wieder einen Schritt zu spät kamen. Über 9:15 und 11:18 versuchten wir, den Abstand zumindest in Grenzen zu halten, ehe es mit einem 14:20 in die Kabine ging. Sechs Tore Rückstand zur Pause. Nicht uneinholbar – aber gegen einen Gegner, der bis dahin ziemlich konsequent bestraft hatte, was wir ihm anboten, eine verdammt hohe Hypothek.
Doch wer uns kennt, weiß eben auch, dass wir solche Spiele nicht einfach herschenken. Und genau mit diesem Gefühl kamen wir aus der Kabine. Emil eröffnete die zweite Hälfte, Maxime legte nach und beim 17:21 waren wir plötzlich wieder auf vier Tore herangekommen. Spaichingen konnte den Vorsprung anschließend zwar noch einmal vergrößern, aber wir weigerten uns, diesen Abend einfach laufen zu lassen. Wir kämpften uns wieder heran, fanden vorne bessere Lösungen und mit jedem Treffer kam auch die Halle ein Stück weiter zurück. Als Yannik nach gut 42 Minuten zum 22:25 traf, waren es plötzlich nur noch drei. Noch fast 18 Minuten auf der Uhr. Drei Tore Rückstand. Und auf einmal war sie endgültig wieder da, unsere Unterseehalle. Jeder Ballgewinn wurde gefeiert, die Tribüne wurde lauter und für einen kurzen Moment lag wieder genau dieses Gefühl in der Luft, das uns in der vergangenen Saison durch so viele verrückte Spiele getragen hatte: Vielleicht geht hier doch noch was.
Doch genau in dem Moment, in dem wir die Tür zu diesem Spiel wieder einen Spalt geöffnet hatten, zeigte Spaichingen die Abgeklärtheit, die uns an diesem Abend immer wieder fehlte. Wetzel traf zweimal vom Siebenmeterpunkt, Schuhmacher legte nach – und aus dem 22:25 war plötzlich wieder ein 22:28 geworden. Ole antwortete noch einmal, doch auch darauf hatten die Gäste sofort eine Antwort. Beim 23:30 nach knapp 48 Minuten war unsere große Aufholjagd gestoppt. Vielleicht war genau das die entscheidende Phase dieses Abends. Wir hatten uns nach einem deutlichen Rückstand noch einmal herangekämpft, die Halle zurück ins Spiel geholt und waren bis auf drei Tore herangekommen. Doch statt die Partie endgültig kippen zu lassen, mussten wir erleben, wie Spaichingen unsere Fehler konsequent ausnutzte und sich wieder absetzte. Seby verkürzte noch einmal auf 25:30, später auf 26:32, und auch in den letzten Minuten versuchten wir alles, um noch einmal heranzukommen. Doch die Gäste ließen sich nicht mehr aus der Ruhe bringen und setzten wenige Sekunden vor Schluss den Treffer zum 30:38-Endstand. Dann war Schluss. 30:38. Acht Tore Unterschied und eine deutliche Niederlage, über die wir auch gar nicht hinwegreden müssen. Mit Dominik Wetzel, der zwölfmal traf, und Tim Wenzler mit zehn Toren hatten die Gäste an diesem Abend zwei Spieler in ihren Reihen, die wir schlicht nicht ausreichend kontrollieren konnten. Bei uns führte Maxime mit sieben Treffern die interne Torschützenliste an, gefolgt von Seby und Emil mit jeweils sechs sowie Yannik und Ole mit jeweils fünf Toren.
Natürlich hatten wir uns unsere Rückkehr nach Hause anders vorgestellt. Nach einem Jahr Abstinenz hätten wir diesen Abend gerne mit zwei Punkten, einem gemeinsamen Jubel vor der Tribüne und dem perfekten Ende dieser Heimkehr gekrönt. Aber vielleicht gehört auch genau so ein Abend zu dem Weg, den wir jetzt eingeschlagen haben. Die vergangenen zwölf Monate waren für uns ein einziger Höhenflug. Wir sind aufgestiegen, haben uns in der Landesliga bis ganz nach vorne gespielt, die Relegation gewonnen und innerhalb eines Jahres direkt den nächsten Sprung geschafft. Jetzt sind wir in der Verbandsliga – und hier beginnt alles wieder bei null. Hier werden Fehler konsequenter bestraft. Hier reicht eine gute Anfangsphase nicht. Und manchmal reicht es eben auch nicht, sich nach einem deutlichen Rückstand noch einmal bis auf drei Tore herangeinzukämpfen.
Aber genau deshalb wollten wir hierher. Wir wollten diese Herausforderung. Wir wollten uns mit diesen Mannschaften messen und herausfinden, wie weit wir gehen können. Und deshalb werden wir auch aus solchen Abenden lernen müssen. Denn trotz aller Enttäuschung über das Ergebnis gab es an diesem Samstag auch etwas, das sich verdammt gut angefühlt hat: Nach fast einem Jahr waren wir wieder da. Wieder in unserer Halle. Wieder vor unseren Leuten. Wieder zu Hause. Nur eben eine Liga höher.
Die Verbandsliga wird uns nichts schenken. Das wissen wir spätestens jetzt. Aber wer diese Mannschaft in den vergangenen Jahren begleitet hat, weiß auch, dass uns Rückschläge noch nie davon abgehalten haben, wieder aufzustehen. Also nehmen wir diesen Abend mit, lernen daraus und arbeiten weiter. Es war vielleicht nicht die Rückkehr, die wir uns erträumt hatten. Aber es war der Beginn eines neuen Kapitels.
Ein riesiges Dankeschön geht an unsere Fans, die uns bei der Rückkehr in die Unterseehalle wieder einmal großartig unterstützt haben. Es war verdammt schön, endlich wieder mit euch zu Hause zu sein! Ebenso bedanken wir uns beim TV Spaichingen für das faire Spiel und wünschen euch für den weiteren Saisonverlauf alles Gute und eine verletzungsfreie Runde.

